Norm · Schweiz
NIN 2025 in der Schweiz: Hausinstallation nach NIN und NIV, Sicherheitsnachweis inklusive
In der Schweiz regelt die NIN 2025 (SN 411000:2025, seit 01.01.2025 in Kraft) die technische Ausführung, die Niederspannungs-Installationsverordnung (NIV) Bewilligungen und Kontrollen. Für eine Wohnung heisst das: Steckdosen Typ 13 (10 A) an Gruppen mit höchstens 13 A auf 1,5 mm², 30 mA FI für Steckdosen und Licht, Installationsanzeige vor Baubeginn und ein Sicherheitsnachweis zum Abschluss.
Aktualisiert am Geprüft am NIN / NIBT 2025 (SN 411000) · Beta
Das Wichtigste
- 01NIN 2025 (SN 411000:2025) gilt seit dem 01.01.2025; ein Corrigendum ist Ende 2025 erschienen.
- 02Steckdose Typ 13 (10 A) → Leitungsschutzschalter höchstens 13 A auf 1,5 mm²; Typ 23 (16 A) → 16 A auf 2,5 mm².
- 03FI 30 mA für frei zugängliche Steckdosen bis 32 A (seit NIN 2010) und für Lichtstromkreise in Wohnbauten (seit NIN 2020).
- 04Wohnungen sind dreiphasig angeschlossen (400/230 V, TN-S); Verbraucher über 3,7 kVA kommen an Drehstrom.
- 05Wohnbauten werden alle 20 Jahre periodisch kontrolliert, bei Handänderung zusätzlich, wenn die letzte Kontrolle über 5 Jahre zurückliegt (NIV Anhang).
- 06Eine normative Mindestausstattung pro Raum (Anzahl Steckdosen) gibt es in der Schweiz nicht; die oft zitierten Tabellen stammen aus Deutschland (DIN 18015, RAL-RG 678).
NIN, NIV, Werkvorschriften: wer regelt was?
Das Schweizer Regelwerk hat drei Ebenen. Die NIV (SR 734.27) ist Bundesrecht: Sie legt fest, wer installieren und kontrollieren darf, welche Arbeiten anzuzeigen sind und wie der Sicherheitsnachweis aussieht. Die NIN (Niederspannungs-Installationsnorm, SN 411000) von Electrosuisse gilt als anerkannte Regel der Technik und regelt die technische Ausführung. Die Werkvorschriften WV-CH des VSE (in der Romandie PDIE-CH) und die Ergänzungen deines Verteilnetzbetreibers (VNB) bestimmen den Netzanschluss.
Die NIN 2025 ersetzt die NIN 2020. Neu sind unter anderem ein Kapitel 8.2 zu Prosumer-Anlagen (Eigenerzeugung, Speicher, Gleichstrom), überarbeitete Abschnitte 7.12 (Photovoltaik) und 7.22 (Ladestationen, bidirektionales Laden) sowie eine praktische Tabelle „Vereinfachung im Wohnungsbau“ für Querschnitte und Schutzorgane. Eine Übergangsfrist haben wir in den öffentlichen Quellen nicht gefunden; bei der NIN 2020 war das Datum der Installationsanzeige massgebend.
Das Netz liefert 3 × 400/230 V, 50 Hz; Neubauten werden als TN-S-System mit Fundamenterder ausgeführt. Die alte „Nullung Schema III“ (TN-C) erlaubt keinen FI-Schutz und wird deshalb alle 5 Jahre kontrolliert. Für ein Einfamilienhaus nennt die PDIE 2025 einen Anschluss-Überstromunterbrecher von mindestens 25 A (ohne PV und Ladestation).
Gruppen und Leitungsschutz: Typ 13, Typ 23 und 13 A
Die Schweizer Haushaltsteckdose nach SN 441011 ist der Typ 13 (10 A, L+N+PE). Ihre Gruppe wird mit einem Leitungsschutzschalter von höchstens 13 A (oder einer 10-A-Sicherung) auf 1,5 mm² abgesichert. Für Geräte über 2,3 kW gibt es den Typ 23 (16 A) an 16 A und 2,5 mm². Dauerlasten wie Heizlüfter sollten eine Haushaltsteckdose mit höchstens etwa 80 % ihres Nennstroms belasten.
| Querschnitt Cu | LS höchstens |
|---|---|
| 1,5 mm² | 13 A |
| 2,5 mm² | 16 A |
| 4 mm² | 20 A |
| 6 mm² | 25 A |
| 10 mm² | 40 A |
| 16 mm² | 63 A |
| Gruppe | Schutzorgan | Querschnitt | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Licht | LS 10 oder 13 A (B oder C) | 1,5 mm² | FI 30 mA Pflicht in Wohnbauten |
| Steckdosen Typ 13 | LS 13 A | 1,5 mm² | FI 30 mA; keine Höchstzahl Steckdosen pro Gruppe |
| Steckdose Typ 23 | LS 16 A | 2,5 mm² | für Geräte über 2,3 kW |
| Kochherd / Kochfeld | LS 3 × 16 A (üblich) | 5 × 2,5 mm² (üblich) | dreiphasig; Werte aus der Praxis, nicht aus der Norm |
| Boiler | nach Leistung | nach Querschnittstabelle | ab 4 kVA immer 3 × 400 V |
| Ladestation | eigene Gruppe, eigener FI | nach Leistung | Typ B oder Typ EV |
FI-Schutzschalter: Pflicht für Steckdosen, Licht und Bad
- Steckdosen bis 32 A, die frei zugänglich sind: FI ≤ 30 mA (NIN 4.1.1.3.3, seit NIN 2010). Für eine nicht frei zugängliche Steckdose (hinter dem Kühlschrank, an der Decke für eine Leuchte) ist er nicht vorgeschrieben, aber empfohlen.
- Lichtstromkreise in Wohnbauten: FI ≤ 30 mA seit der NIN 2020, auch ohne Steckdose.
- Bad und Dusche: alle Licht- und Steckdosenstromkreise des Raums hinter FI ≤ 30 mA (NIN 7.01).
- Ladestation: je Anschlusspunkt ein eigener FI 30 mA vom Typ B oder vom Typ EV (Typ A mit 6-mA-DC-Erkennung), NIN 7.22.
- Eine Höchstzahl Gruppen pro FI oder eine Mindestzahl FI pro Wohnung gibt es nicht. Eine Anlage mit nur einem FI entspricht laut ABB aber nicht dem Stand der Technik. Üblich ist in der Schweiz ein FI/LS pro Gruppe, etwa FI/LS 1P+N C13 30 mA Typ A.
Überspannungsschutz verlangt die NIN in Wohnbauten, wenn der Wert der elektrischen Anlage samt Geräten mehr als das 50-Fache der Kosten des Ableiters beträgt (NIN 2020, 4.4.3.4 d), im Neubau praktisch immer: mindestens Typ 2 bei der Gebäudeeinführung, Typ 1 + 2 bei äusserem Blitzschutz. Einen Brandschutzschalter (AFDD) schreibt die NIN in Wohnungen nicht vor; die Bauherrschaft kann ihn verlangen.
Bad und Dusche: Bereiche 0, 1 und 2 nach NIN 7.01
| Bereich | Ausdehnung | Zulässig |
|---|---|---|
| 0 | Innenraum von Badewanne oder Duschwanne | nur dafür vorgesehene, fest montierte Geräte oder SELV 12 V AC / 30 V DC, IPX7 |
| 1 | über Bereich 0 bis 2,25 m (oder bis zur höheren Brause); Dusche ohne Wanne: Radius 1,20 m um den Wasserauslass | Boiler und Ventilatoren IPX4, Leuchten und Geräte bis 25 V AC in SELV/PELV |
| 2 | 0,60 m waagerecht um Bereich 1, gleiche Höhe | Geräte IPX4, keine Steckdosen |
| ausserhalb | mehr als 0,60 m vom Wannenrand (Fadenmass) | Steckdosen Typ 13 mit FI 30 mA |
Dazu kommen ein zusätzlicher örtlicher Schutzpotentialausgleich mit 4 mm² zu Wasser-, Abwasser-, Heizungs- und Gasleitungen (sofern nicht schon mit dem Hauptpotentialausgleich verbunden) und Einschränkungen für Leitungen in den Wänden: höchstens 6 cm tief und nur zu Geräten im Raum. Die Bereichsmasse entsprechen den in Frankreich und Deutschland üblichen.
Drehstrom, Boiler, Wärmepumpe und Ladestation
| Anschluss | Leistung höchstens |
|---|---|
| 1 × 230 V (L–N) | 3,7 kVA |
| 1 × 400 V (L–L) | 6,4 kVA |
| 2 × 400/230 V (2 L + N) | 7,4 kVA |
| 3 × 400/230 V | über 7,4 kVA |
- Boiler: ab 4 kVA immer 3 × 400 V; ab 200 Liter gilt er als netzrelevant und wird vom VNB gesteuert. Einige Kantone lassen neue Elektroboiler nur noch ausnahmsweise zu.
- Elektrische Widerstandsheizungen dürfen nach den MuKEn 2014 weder neu eingebaut noch ersetzt werden (Ausnahmen möglich). Wärmepumpen brauchen ein Technisches Anschlussgesuch (TAG) und eine Steuermöglichkeit für den VNB.
- Ladestation: eigene Gruppe und eigener FI je Anschlusspunkt. An einer Haushaltsteckdose Typ 13 oder 23 ist Laden nur gelegentlich und mit höchstens 8 A vorgesehen. Ein- und zweiphasiges Laden ist auf 16 A begrenzt; der VSE empfiehlt dreiphasig, z. B. 3 × 16 A = 11 kVA. Ladestationen über 3,7 kVA müssen vom VNB steuerbar sein.
Installationsanzeige, Sicherheitsnachweis (SiNa) und Kontrollen
Installieren darf in der Schweiz nur, wer eine Installationsbewilligung des ESTI hat: Der Betrieb beschäftigt eine fachkundige Person, etwa mit eidgenössischem Diplom als Elektroinstallations- und Sicherheitsexperte oder mit gleichwertiger Ausbildung und Praxis (NIV Art. 8 und 9). Laien dürfen in der eigenen Wohnung nach NIV Art. 16 nur Steckdosen und Schalter an bestehenden einphasigen Endstromkreisen hinter einem FI ≤ 30 mA ersetzen oder ergänzen, und das muss ein Kontrollberechtigter abnehmen; Leuchten anschliessen und Schalter tauschen ist ohne Kontrolle erlaubt.
- Technisches Anschlussgesuch (TAG) beim VNB für Wärmepumpe, Ladestation, PV, Speicher oder störende Verbraucher.
- Installationsanzeige an den VNB vor Baubeginn (NIV Art. 23): Neubau, Erweiterung über 3,7 kVA, neuer Anschluss, PV, Ladestationen.
- Erstprüfung während der Ausführung und vor der Inbetriebnahme, mit Protokoll (NIV Art. 24).
- Schlusskontrolle durch den Installationsbetrieb vor der Übergabe. Ergebnis ist der Sicherheitsnachweis (SiNa) mit dem Mess- und Prüfprotokoll (Isolationswiderstand, Kurzschlussstrom Ik, FI-Auslösung, Rechtsdrehfeld, Spannungsfall je Stromkreis).
- Der Installateur übergibt den SiNa der Eigentümerschaft, die ihn dem VNB weiterleitet.
- Abnahmekontrolle durch ein unabhängiges Kontrollorgan innert 6 Monaten, wenn die Kontrollperiode unter 20 Jahren liegt oder eine PV-Anlage dazugehört (NIV Art. 35). Für eine gewöhnliche Wohnung genügt der SiNa aus der Schlusskontrolle.
| Periode | Beispiele |
|---|---|
| 20 Jahre | Wohnungen, Einfamilienhäuser, Wohnbauten |
| 10 Jahre | Büros, Läden, Werkstätten, Landwirtschaft |
| 5 Jahre | Hotels, Heime, Schulen, Restaurants, Anlagen mit Nullung Schema III (TN-C), öffentliche Ladestationen |
| Handänderung | Kontrolle, wenn die letzte über 5 Jahre zurückliegt |
Mindestausstattung und Montagehöhen
Wie viele Steckdosen ein Wohnzimmer haben muss, schreiben weder NIN noch NIV noch die Werkvorschriften vor: Die NIN regelt, wie installiert wird, nicht wie viel. Circuia meldet in der Schweiz deshalb keine fehlenden Steckdosen, sondern zeigt Komfortvorschläge als Hinweis. Auch die Höhen sind Praxis, keine Norm: Steckdosen auf 30 cm, Schalter auf 105 cm, Küchensteckdosen auf 115 cm. Wo die SIA 500 (hindernisfreies Bauen) anzuwenden ist, gehören Bedienelemente zwischen 0,8 und 1,1 m Höhe. Die Eingangsklemmen des Anschluss-Überstromunterbrechers liegen mindestens 80 cm über dem Boden (PDIE 2025).
Elektroplanung für die Schweiz mit Circuia
Wähle beim Anlegen des Projekts Schweiz. Der Editor bildet Gruppen mit Steckdosen Typ 13 an 13 A, setzt pro Gruppe einen FI/LS 30 mA, schliesst Kochfeld und Geräte über 3,7 kVA dreiphasig an, verteilt die Gruppen auf L1 bis L3, prüft die Bereiche im Bad und die Ladestation. Aus dem Projekt füllt er die Stammdaten von Sicherheitsnachweis und Mess- und Prüfprotokoll vor (Gruppen, Schutzorgane, Querschnitte, Kontrollperiode 20 Jahre); Messwerte, Bewilligungsnummern und Unterschriften bleiben leer.
Editor für die Schweiz öffnen: kostenlos, direkt im Browser. Die Regeln der Nachbarländer findest du in der Übersicht der Normen.
Häufige Fehler
- Eine Gruppe mit Steckdosen Typ 13 auf 1,5 mm² mit 16 A absichern.
- Lichtstromkreise ohne FI lassen: in Wohnbauten seit der NIN 2020 Pflicht.
- Die ganze Wohnung hinter einen einzigen FI legen.
- Mit den Arbeiten beginnen, bevor die Installationsanzeige beim VNB eingereicht ist.
- Ein Elektroauto regelmässig an der Haushaltsteckdose mit mehr als 8 A laden.
- Deutsche Mindestausstattungstabellen (RAL-RG 678) als Schweizer Pflicht verkaufen.
Häufige Fragen
Welche NIN gilt aktuell in der Schweiz?
Mit wie viel Ampere wird eine Steckdosengruppe abgesichert?
Wie viele Steckdosen darf eine Gruppe haben?
Was ist der Sicherheitsnachweis (SiNa)?
Darf ich in der Schweiz selbst Steckdosen installieren?
Stellt Circuia einen Sicherheitsnachweis aus?
Planungshilfe
Plane die Installation nach den Regeln dieses Landes
Zeichne die Wohnung oder beschreibe sie der KI: Circuia platziert die Punkte, prüft die Regeln des Landes in Echtzeit und erstellt Verteiler, Übersichtsschaltplan und Materialliste.
Redaktion
Circuia-Team
Verfasst vom Circuia-Team auf Grundlage der angegebenen Quellen und des Regelpakets dieses Landes im Editor: Die Werte in den Tabellen sind die, die Circuia verwendet.
Veröffentlicht am · aktualisiert am
Quellen
Für diese Seite verwendete Quellen, amtliche Texte zuerst:
- Fedlex — Niederspannungs-Installationsverordnung (NIV, SR 734.27)
- ESTI — FAQ periodische Kontrollen und Sicherheitsnachweise
- ESTI — Schweizer Haushalt-Stecksystem nach SN 441011
- Electrosuisse — NIN 2025
- Electrosuisse / EIT.swiss — Formular Sicherheitsnachweis und Mess- und Prüfprotokoll
- VSE — Werkvorschriften WV-CH 2021 mit TAB (IBB Brugg, 07/2024)
- P.-E. Müller — Neuerungen NIN 2025
- P.-E. Müller — NINA 40.1, Räume mit Badewanne oder Dusche
- BBZ BL — Kupferleiter, Dimensionierung
- ABB Schweiz — FI-Schutz nach NIN
- VSE — Infoblatt Ladestationen
- Elektro Schärli — Überspannungsschutz nach NIN
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